Wenn wir träumen sind wir frei

Veröffentlicht von tom am 28. Februar 2011 in Côte d'Ivoire, Krise / Crisis

Es geht noch ein mal um Côte d’Ivoire. Ein sehr schönes Land, das gerade aus allen Richtungen vergewaltigt wird.

Das Business-Viertel "Le Plateau" im Herz von Abidjan

Das Business-Viertel „Le Plateau“ im Herz von Abidjan

Vorerst will ich sagen, das es wichtig ist, weiterhin auf diesen Konflikt aufmerksam zu machen – auch wenn man selber wenig daran ändern kann.
Schnell wurde der anhaltende Konflikt durch die neuen Meldungen aus Nordafrika überschattet und ist etwas in Vergessenheit geraten.

Abidjan

Abidjan

Ich vermute, dass viele nicht wissen, wie modern Abidjan eigentlich aussieht. Deshalb poste ich mal ein paar Bilder, die ich im August 2010 gemacht habe.
Man darf nicht vergessen zu sagen, das Abidjan sehr vielseitig ist. Die Bilder habe ich gemacht als mich ein Freund mit seinem Auto mir das Business-Viertel und den Strand bei Grand Bassam gezeigt hat. Das Business-Viertel „Le Plateau“ ist nur ein kleiner, wenn auch sehr zentraler Teil der Stadt.  Die anderen Viertel wie Yopougon, Treichville oder Marcory unterscheiden sich sehr. Ein großer Teil besteht leider auch aus Slums.

Trotzdem war Côte d’Ivoire lange ein wirtschaftlicher Vorreiter und Musterland für West Afrika.


Zu den Konflikten im Norden Afrikas, will ich mich nur kurz äußern. Ich haben größten Respekt vor allen denen, die sich trauen gegen Diktatoren und Regieme, zugunsten und im Willen der Bevölkerung, entgegen zu setzen. Es sind leider blutige aber sehr bedeutende Zeiten, die viel verändern können.

Ich hoffe sehr, dass sich vieles auch nachhaltig ändern wird.

„Revolution ist nicht ein kurzer Akt, wo mal irgendwas geschieht und dann ist alles anders.

Revolution ist ein langer komplizierter Prozess, wo der Mensch anders werden muss“

– Rudi Dutschke

Sehr interessant ist die immer bedeutendere Rolle der Medien in diesen Konflikten. Ich habe es schon bei den Konflikt an der Elfenbeinküste erlebt, wie z.B. facebook oder youtube ein sehr wichtiges Element werden kann. Viel mächtiger wird es derzeit im Norden eingesetzt. (Artikel)

Der 29. ist vorbei und ich habe nichts mehr gepostet.

Trotzdem war ich seit dem immer weiter bemüht den Kontakt mit meinen Freunden zu halten und weiter verschieden Meinungen von Ivorern gesammelt die in Abidjan leben. Auch habe ich hier in Deutschland lebende Ivorer um ihre Meinungen gefragt. Oft haben diese Erzählungen eine andere Sichtweise, als aus den westlichen Medien hervor geht. Ich habe in der letzten Zeit sehr viele unterschiedliche Meinungen und gehört, die mich Teilweise sehr verwirrten.

Trotzdem kann man versuchen weiterhin auf diesen Konflikt aufmerksam zu machen und mehr Menschen zu informieren.
Da es sehr schwer ist auf dem gesamten Konflikt Einfluss zu nehmen habe ich mir vorgenommen wenigstens punktuell meinen Freunden zu helfen.
Eines der größten Übel zur Zeit, das auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen wird, ist das keiner mehr an Geld kommt. Hierzu habe ich einen sehr hilfreichen Artike gefunden, der die Dramatik der Lage gut wiederspiegelt. Denn wenns knapp wird, fängt es bei den geringsten Sachen gefährlich zu werden:
Nahrung, Wasser, Strom, Mieten, medezinische Versorgung, Flucht etc.

Artikel: Bankenkrise in Côte d’Ivoire“ (einfach anklicken)

Die letzte Mails kamen gestern und heute.
Gestern einmal von einer Freundin:

„[…] The population suffers from this situation. I see all this I even want to stay in this country. So my beautiful country is dying really what I can request is to pray for the Ivory Coast and the politicians that they take a good discussion that we get out then. if I leave you with those hoping to read you soon. I would not stop to say thank you and think of me.“

und diese Mail kam heute morgen von dem Freund, der die erste Nachricht vor dem 29. geschrieben hatte:

„Here in the country, anything looks wrong, the government steal bank, kill it’s own people…
So it’s very very bad for the country and for the citizens…

They are going 40 years back.

Today I read that the African Union that send a team of 5 african presidents last month and they were due on 28 february to give the way to get out of this situation… They decided to prolongate their action for an other month… very bad because meantime people are dying.
So for me and my family it’s Ok for now… But I don’t know how it will last.“

Hier noch ein Bericht über die Aktuelle Lage: http://www.jungewelt.de/2011/02-24/037.php

Ich hoffe, dass bald frieden für alle Menschen in Côte d’Ivoire eintritt.

Details

Eine genauere Beschreibung der Lage und des Landes (bevor der aktuelle Konflikt ausbrach) habe ich in einem Bericht der Flüchtlingshilfe gefunden:

Wie ist die Lage allgemein in der Elfenbeinküste?
Die heutige Elfenbeinküste ist nach wie vor faktisch zweigeteilt in einen von der Regierung
Gbagbos (FPI) kontrollierten, vorwiegend christlichen Süden, und einen von Rebellengruppen
(Forces Nouvelles) kontrollierten, vorwiegend islamischen Norden. In der
Pufferzone dazwischen überwachen bis Anfang April 2004 etwa 4000 französische Soldaten
und 1350 Soldaten der ECOWAS die Waffenstillstandslinie zwischen Armee und
Rebellen. Im April 2004 werden sie von der UN-Operation für die Elfenbeinküste (UNOCI)
mit 6240 Soldaten abgelöst.
Aufgrund der mangelnden Rechtsstaatlichkeit leidet die Zivilbevölkerung in der Elfenbeinküste
weiterhin unter bewaffneten Überfällen, Plünderungen und Vergewaltigungen.2 Zivile
Milizen, die sich in Selbstverteidigungskomitees organisiert haben, kämpfen in den
Städten gegen politische Gegner, auf dem Land um Boden (z.B. „young patriots). In den
Städten sorgen die „Todesschwadronen“ (welchen eine Verbindung zur Regierung Gbagbos
nachgesagt wird) für Angst. Gewalttätige Übergriffe von Regierungsmilizen halten an.
Regierung wie Rebellen haben Söldner aus dem Ausland angeheuert, über welche sie
mittlerweile die Kontrolle verloren haben und die ziellos und mit grosser Brutalität gegen
die Bevölkerung vorgehen. Ein grosses Problem stellt auch die hohe Anzahl im Inland
rekrutierter Soldaten dar sowie die unzähligen Waffen, die im Umlauf sind. Der Prozess
der Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration ist noch in den Anfängen. Vor allem
im Westen gehen die ethnischen Kämpfe weiter. Gemäss Auskunft des UN-Büros zur
Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in Abidjan vom 19. März 2004 gibtes weiterhin vor allem aus dem Westen Berichte über gewalttätige Zustammenstösse
zwischen Gruppen burkinischer Herkunft und indigenen ivorischen Gruppen.

Die Kontaktperson verweist darauf, dass die politische Situation im Moment höchst instabil ist.
Gemäss UNHCR konnte im Januar 2004 nur in Abidjan ein gewisses Sicherheitsniveau
etabliert werden. Am 11. März 2004 hat aber Präsident Gbagbo angeordnet, die im letzten
Jahr abgebauten Checkpoints in Abidjan wieder aufzustellen, weil auch die Stadt zunehmend
unsicherer werde. Laut Angaben eines Vertreters des IOM-Büros in Abidjan
vom 23. März 2004 ist die Sicherheitssituation in Abidjan allgemein besser als im Westen
des Landes, für Personen burkinischer Herkunft bleibt sie aber instabil und gefährlich.
Personen burkinischer Herkunft werden in Abidjan häufig Opfer von Erpressungen und
Schikanen seitens ivorischer Bürger, der Polizei und des Militärs.

Personen, die aus Abidjan kommen, können gemäss UNHCR nur nach Abidjan zurückgeschickt
werden können, wenn Familienmitglieder identifiziert werden konnten, die die
betreffende Person aufnehmen. Frauen und Kinder gehören aufgrund der anhaltenden
Spannungen zu den besonders verletzlichen und somit schutzbedürftigen Gruppen.

http://www.fluechtlingshilfe.ch (PDF)

Auch spannend ist, das zum ersten mal die Afrikanische Union (AU) eine sehr tragende Rolle in der „Schlichtung“ des Aufstandes des „abgewählten“ Presidenten einnimmt. Sie entscheidet der Zeit, durch mehrfache gescheiterten friedlichen Schlichtungsgesprächen, ob ein bewaffneter Eingriff der AU-Truppen für eine Beendigung der Krise nötig sei. Wichtig ist, das man sich immer Gedanken machen muss welche übergeordneten Interessen hinter dem Konflikt stecken. Wie z.B. ist die aktuelle Interesse von Frankreich an der politischen Entscheidung in Coté d`Ivoire.. ?

Und noch ein letzter Beitrag:

Das habe ich noch bei Amnesty International gefunden und nehme es mit rein, weil ich es mit selber in ähnlicher Form erfahren habe als ich in Abidjan die UN gesehen habe. Auch jetzt ist die Rolle der UN in Abidjan zu beobachten. Aus Fällen wie dem Genozid in Ruanda und der fraglichen Mission im Kongo wurde hoffentlich gelernt und dementsprechend viel verbessert! (!?)

Ich kannte aus dem Internet Fotos und Berichte in denen über ähnliche Vergewaltigungsvorfälle erzählt wurde. Aber ich wollte bei so etwas brisanten nicht zu schnell Urteilen. Man soll am besten, das Ungewisse selber erst sehen bevor man es wirklich bewerten kann. Ich hab es vermutet, ich hab es gehsehen in ähnlicher Form gesehen, es hat sich bestätigt.
Geschockt war ich als ich sah, mit welcher Dreistigkeit, die großen weißen UN-Jeeps dirkt vor Bordellen geparkt wurden. Der Ivorer der mir dieses Viertel gezeigt hatte meinte: „Sie kommen hier her, um unsere Frauen schwanger zu machen.“

Verdacht des sexuellen Missbrauchs durch UN-Truppen

In Juli wurde die schwerwiegende Beschuldigung gegen die in Côte d’Ivoire stationierten
UN-Truppen (UNOCI) bekannt, sie seien für eine Vielzahl sexueller Missbrauchsfälle verantwortlich.
Eine von den UN entsandte Ermittlungskommission stellte fest, dass die Opfer nicht zu detaillierten Aussagen zu den Übergriffen bereit waren.

http://www.amnesty.de

6 Kommentare

felix
3. März 2011 um 19:34

Heute gabs seit langem mal wieder was zu Côte d’Ivoire in den deutschen Medien:
Milizen erschießen sieben protestierende Frauen
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748952,00.html


 
felix
3. März 2011 um 19:56

und noch mehr:
Ivory Coast president cuts off power and water to north
http://www.guardian.co.uk/world/2011/mar/03/ivory-coast-president-cuts-power-north

es sieht nicht gut aus..


 
Martina
7. März 2011 um 00:07

Gut zu sehen, dass nicht alle diese Ereignisse der Weltpolitik vergessen!!


 
Monika
9. März 2011 um 11:29

Ich bete für die Menschen in der Cote d’ivoire, damit sie endlich zur Ruhe kommen. Sie sind Spielball der großen Mächte, die nur die Diamanten, das Gold, den Kakao und das Öl sehen. Menschenleben spielen keine Rolle für sie.
Die Familie meines Lebenspartners lebt dort – wir haben solche Angst um sie. Die Banken sind geschlossen, sie haben nichts mehr – es fehlt an Medikamenten. Zu schnell hat man (Franzosen, EU, USA) den neuen Präsidenten Alassane Quattara anerkannt, dem Verfassungsrat der Cote d’Ivoir seine Rechte aberkannt und nicht noch einmal alles überprüft. Warum – weil man Alassane Quattara besser mit Sarkozy harmoniert? Jetzt stehen sich die Soldaten/Anhänger Gbagbos (der absolut kein Diktator ist, denn die Hälfte aller Ivorer stehen hinter ihm) und die ehem. Rebellen/Anhänger Quattaras gegenüber und es wird viel Blut vergossen werden. Noch ist mir nicht klar,zu welcher Seite es die UN-Truppen zieht – raushalten werden sie sich wohl eher nicht. Aber dass sie dort Dinge tun, die sie nicht gerade mit Ruhm gekleckert – das weiß ich schon. Und die Medien tragen einen großen Teil zur Situtation bei – manchmal mit gefakten Videos – man könnte es auch Hetze nennen. Wo bleibt die Hilfe für die Ivorer – hat man sie wegen Libyen vergessen? Oder will die westliche Welt dieses Masaker um später als „Erlöser“ dort wieder alles aufzubauen und noch mehr Gewinne erziehlen, da die Ivorer selbst ja alles verloren haben? Ist das ihre Absicht?
Wir sind so machtlos – was können wir nur tun – wie können wir helfen???


 
Tom Plümmer
15. März 2011 um 20:54

Erst ein mal danke an alle die den Artikel aufmerksam gelesen haben. Dann danke auch an diejenigen, die noch ein Kommentar hinterlassen haben.

Sehr nett von dir Monika so viel dazu zu schreiben. Ich kann deine Angst sehr gut nachvollziehen. Ich habe auch versucht mit etwas Geld, da es gerade sogar hart wird Essen zu bezahlen, meiner „Familie“ zu helfen..aber sogar Western Union und Money Gram wurden geschlossen.. Zum Glück konnte die Mutter, bei der ich gelebt habe, noch einen Bus an die Grenze von Ghana nehmen und es dort entgegen nehmen. Mittlerweile habe ich gelesen, das die Grenzen sogar geschlossen wurden?! 🙁

Ich habe mich in dem Artikel nicht wirklich stark zu den beinden Politikern Ouattara und Gbagbos geäußert, weil ich durch die vielen verschiedenen Meinungen etwas verwirrt war und nicht sagen konnte was gut und böse ist…
ich habe weiter nachgeforscht und muss leider sagen…. BEIDE sind keine Hilfe für das Land und die Menschen!

Ouattar, der vom Westen als der Retter Cote d`Ivoires bezeichnet wird, hat nämlich selbst eine schlechte Vergangenheit wenn man mal die politischen Aktionen von ihm beleuchtet

Wenn jetzt auch noch, wie ich vor ein paar Tagen in der FR gelesen habe, Frankreich die Rebellen anerkennt, wird ein Bürgerkrieg immer unausweichlicher. Ich bin gespannt was die AU als nächsten Schritt einleitet.- Über die UN will ich nicht nachdenken…die sind eh nur ein Spielball. Dieser scheiß Sarkozy und all die anderen Heuschrecken mit ihrern wirtschaftlichen Interessen sind die wahren Terroristen!

Ich habe noch einen interessanten Beitrag auf der Website der ARD gefungen den jemand anonym verfasst hat. In diesem Kommentar wird eigentlich alles sehr deutlich wie schlecht die Lage für die Zivilbevölkerung steht:

Die Lage in der Elfenbeinküste ist sehr kompliziert und man muss die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Hintergründe der Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte betrachten.

Fakt ist, dass Ouattara und Gbagbo beide nur die Macht über die Elfenbeinküste wollen und ihnen dafür kein Menschenleben zu teuer ist.
Der Westen war von Anfang an auf der Seite der Rebellen, wobei es um wirtschaftliche Interessen geht. Denn als Ouattara in den 90ern kurzzeitig Präsident war, privatisierte er die Wasser- und Stromversorgung der Elfenbeinküste im Interesse von Großkonzernen, was die Menschen noch mehr verarmte. ZUdem ist er lange beim IWF tätig gewesen.

Dass das US-Außenministerium die Verstaatlichung der Kakaowirtschaft so sehr kritisiert, beweist, dass es neben ethnischen Konflikten und Machtkämpfen zweier Massenmörder um die Interessen ausländischer Großkonzerne in der ELfenbeinküste geht.

Sehr informativ ist ein Onlineartikel der FAZ zu diesem Thema vom 23. Dezember 2010.

Wenn ich an Gott glauben würde, würde ich jetzt auch für Cote d`Ivoire beeten.
🙁


 
 

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