Veröffentlicht von tom am 9. Februar 2010 in
Film
Bis jetzt war es immer wieder lustig ein paar News aus dem Heimatland zu hören und das ist auch der Grund
warum ich diesen Eintrag schreibe.
Ich habe länger das Thema Film in dem Blog nicht mehr angesprochen.
Meine Liebe zum Film ist in der Zwischenzeit noch gewachsen. Film kann so viel unvorstellbares bewirken. Gerade weil ich DVDs neu entdeckt habe. Wow. Meine Kopf explodiert immer nach solchen guten Filmen, da mir Massen an Ideen für eigene Produktionen kommen. ICH LIEBE ES.
Im Film kann man aus dem nichts tausend von Jahren nach vorne oder nach hinten springen, Tag in Nach verwandeln, fliegen, Tote wiederbeleben, Menschen erreichen und Dinge beeinflussen + das mittlerweile noch in High Definition. Sag mir womit man so viel etwa noch machen könnte.
Als ich mich vor meiner Abreise nach Ghana um einen Studienplatz gekümmert habe, sollte ich für die Aufnahmeprüfung an einer Filmhochschule einen Kurzfilm drehen, der das Thema „Krise“ behandeln muss. Um es kurz zu machen und jetzt nicht die ganze Story zu erzählen…guckt euch doch kurz den Film selber an, denn mein „Tagebuch.“ findet ihr hier:
TAGEBUCH.
Der Film ist in drei Tagen, mit der Hilfe von einem Freund Namens Emanuel, entstanden.
Nun ja. Mehr als aufgenommen zu werden habe ich mir von dem Film nicht versprochen.
Das persönliche Gespräch mit den Professoren und einer Professorin kam. Nach dem Film sagen sie: „Wir haben keine Fragen mehr. Sie können jetzt gehen.“
Zwei Wochen später kam der Brief mit der Studienplatz-Zusage. Jeah!
Vor kurzem kam ein Mail. Wir haben die zweiten Preis gemacht! -schreibt mir Emanuel. Vor meiner Abreise haben sich Emanuel und ich noch überlegt, dass unser „Tagebuch.“ auf Tour gehen könnte. Was so viel heißt wie: Es wäre cool, wenn wir den Film auf der großen Leinwand eines Filmwettbewerbes sehen könnten. Uns es hat geklappt.

Publikum

Tagebuch. auf der großen Leinwand.
„Visionale“ ist das größte Medienfestival für junge Leute aus Hessen.
Ich bin zwar noch 19, aber da Emanuel schon 20 ist kamen wir in die älteste Gruppe der 20-26 jährigen.
Und trotzdem. Der zweite Platz ging an uns!
Veröffentlicht von tom am 8. Februar 2010 in
Musik

Milena hat sich durch ihre Musik hier relativ viel Respekt in der Musikszene erarbeitet und so ist es für mich möglich (Wer es noch nicht wusste, ich bin auch Musiker) über sie einige sehr gute Musiker kennen zu lernen.
Als wir in Cape zusammen mit einer Gruppe lokalen Jugendlichen aßen wurde das Handy angemacht, der Beat aufgedreht und die Freestylesession ging los. Erst Gesang, dann Fante-Rap, dann Englisch-Rap und dann Deutsche-Rap. Ghanaer mögen anscheinend den Klang von deutschem Rap, weit mehr als ich gedacht hatte, denn die Resonanz war so positiv, dass man im Anschluss über mögliche Zusammenarbeiten und Studiobesuche reden konnte. Seit diesem Tag war ich gespannt endlich mal in ein neues ghanaisches Studio zu kommen. Vorher hatten wir ja schon bei Mike recordet (der immer noch mein Equipment hat) aber diese Jungs sind nochmal was anderes – ein ganze klasse höher!
„420 Studios“ ist der Name einer Gruppe sehr talentierter Sänger, Rapper und Producer die, fast genau wie Robin (Rapartee) und ich (SnaRe) (www.nastysky.com), sich ein Studio aufgebaut haben.
Ich wähle die Nummer von „Ojah“ dem Producer, und kurze Zeit später steht fest, dass wir uns morgen im Studio treffen können. Als ich am nächsten Tag aus dem Trotro steige, warten schon drei von ihnen auf mich. Baggypants, Shorts, Eckoshirts – diese Jungs sehen schon aus wie HipHop. Wir laufen zum Studio. Auf dem Weg werden erstmal dutzende Leute gegrüßt. Das Studio ist im Haus des Produzenten und hat eigentlich alles was man benötigt. Das große Stahltor geht auf und im Innenhof sieht man zwei in Liegestühlen, einer der am Auto steht und zwei die diskutieren – jeder mehr Hiphop als der andere. Das sieht nach einer guten Zeit aus! Ich fühle mich gleich wohl – nicht weil ich mich heute auch mehr HipHop angezogen habe als sonst und mich deshalb schon wohl fühle, sonder weil die Jungs, die ich bis jetzt kenne alle sehr nett sind. Die Musik dröhnt schon aus dem Studio als wir uns nähern. Im Studio sind nochmal vier Leute die gerade einen neuen Track aufnehmen. Nach einer Stunde ist diese Aufnahme fertig und sie verabschieden sich. Nun haben wir das Studio für uns und fangen gleich an zu planen. Kurze Zeit später, steht fest auf welchen Beat wir ein Kollabo machen. Während ich meinen Text schreibe erklärt mir der Produzent wie das Musikbuissens in Ghana funktioniert und was seine Pläne sind um 420 mehr zu verbreiten. 420 gibt es erst seit 6 Monaten (jeder hat aber schon mehrere Jahre Musikerfahrung) und von daher soll die Promo erst 2010 richtig los gehen. Im Grunde ist das genau der Knackpunkt. Musikalischeoberliega aber keiner das Corporate Design fehlt! An dieser Stelle kann ich behilflich sein – und so habe ich die nächste drei Tage nach diesem Treffen an einem Logo gearbeitet. Schritt für Schritt werde ich während meiner Freizeit mithelfen 4/20 aufzubauen.

Das Lied an dem wir arbeiten hat ein simple Hook aber eine tiefe Massage. Die Hook sagt, dass wir feiern und ihr besser vorbei kommen solltet weil ihr sonst ganz schön was verpasst. Die Massage meint, dass wir zusammen kommen sollen um zu erkennen ,dass wir ein und das selben sind und das unsere Vorstellungen übereinander oft sehr surrealistisch sind. In meinem Teil spreche ich die Deutschen an die, wie ich bei mir selber gemerkt habe, in vielen Bereichen ein sehr verzerrtes Bild von „Afrika“ haben. Weil man es in einem Track nicht wirklich beschreiben kann wie Afrika wirklich ist -weil diese Vielschichtigkeit nie so rüber kommen -und wieder ein verzerrtes Bild ergeben würde – sagen ich/wir das ihr (die Deutschen) einfach vorbei kommen sollt– und es selber sehen müsst was hier abgeht. Wenn man ZUSAMMEN feiert kommt schon die Erkenntnis! Als wir fertig sind mit schreiben, rappt jeder seinen Part in einer fetten Session vor und „Changes“ sinkt die Hook.


Wir sind zufrieden und gehen erstmal was essen. Als wir wiederkommen klemmen sich Ojah voller Motivation hinter das Keyboard und wir bauen gemeinsam einen Beat in Fruty. Parallel wird Cubase SX 3 installiert. Softwaretechnisch sind „4/20“ genau so gut ausgestattet wie deutsche Produzenten und Ojah hat verdammt flinke Finger was das Beatbauen angeht.

Da er sofort versteht was ich meine wenn ich sage „make the bass deep like booooooomchaa“ ,„what do you think of tam tam da da tatatm bmzss“ oder „try to bring moor feeling into the hat“ kommen wir gut voran und haben ein Beat kreiert der sogar eine raegaartige Brige enthält aber doch überwiegend vom Piano geleitet wird. Nur schade das Ojah keine Geigen hatte – die wären noch die Krönung im Beat gewesen.
Alles in allem waren wir sehr Produktiv – nächstes Wochenende wollen wir uns ans recorden machen. „Now we are one family“ sagt Ojah zuversichtlich und drückt mich als wir uns verabschieden. „Brother, together we go boooom!“ sagt Changes und hebt die Faust die sich in der Luft mit meiner trifft – jeder Klopft seine Faust auf seine Brust und nickt. Ich steig ein und fahr wieder zurück ins etwas ruhigere aber doch schöne Komenda um dort für AIM. weiter zu Arbeiten.
Und so sah also mein freier Tag und meine Freizeitbeschäftigung für diese Woche aus.

Veröffentlicht von tom am 7. Februar 2010 in
Ghana

Glücklich. Ein paar gechillte Minuten auf der weichesten Wiese auf der ich je lag. (Ort: Voltaregion/Wli an der Grenze Ghana/Togo)
“In Deutschland arbeitet man auf dem Freitag hin und hasst den Montag – in Ghana ist auch unter der Woche Wochenende!”, sagt Milena und ergänzt: Schreib das mal auf, das is n` Zitat wert!
Kurz vorher habe ich, während wir die Hauptstraße von Komenda runter liefen, unverhofft einfach in einem glücklichen Ton ein „Ghana ist schon verdammt gut! Wie cool die meisten Leute hier sind!“ ausgestoßen und mir meinen Teil dazu gedacht.
Es ist unheimlich schwer das Feeling, das man hier hat, in Worte zu fassen, dann in Buchstaben zu pressen und bis nach Deutschland zu senden und zu hoffen, dass es von euch richtig entschlüsselt wird ohne, das dabei Informationen verloren gehen.
Das Zitat am Anfang des Blogs gefällt mir immer noch sehr gut. Ich sehen jeden Tag wieder Dinge die mich auf eine angenehme Art verwirren. Sachen, die man nie erwartet hätte. Und doch ist vieles sehr sehr gleich. Eben diese Ähnlichkeit die man spürt, obwohl man sich gefühlt in einer „ganz anderen Welt“ befindet.
Heute habe ich mir gedacht, dass du hier sogar einfach nur an der Straßenecken stehen kannst und es ist trotzdem vorprogrammiert, dass irgendetwas etwas passiert. Als ich so an der Straßenecke stehe und darüber nachdenke läuft ein kleiner Junge vorbei und summt ein Lied. Er hat, was mich etwas verwirrt, über seinen Kopf eine durchsichtige Plastiktüte gezogen und klopft zwei Schrauben aneinander, während er dazu im Tanzschritt läuft. Nach vier Schläge, hebt er das rechte Bein leicht anwinkelt nach hinten und nach den nächsten vier das Linke. So läuft er im gleichmäßigen Tempo an mir vorbei ohne mich auch nur an zu gucken. Ich frage Josia, was der Junge macht und er antwortet nur: „He is just happy.“ Ein Mann kommt vorbei und grüßt nett, man plaudert kurz und wir gehen weiter. Milena läuft neben mir als von der Seite ein Mädchen auf Milena zu läuft. Sie reicht Milena die Hand. Schüttelt sie länger. Umarmt sie und bleibt, mit dem Arm um sie gelegt, stehen. Dann nimmt sie beide Hände von Milena und fängt an mit ihr zu tanzen. Josia holt sein Handy raus und es fangen beide an auf Lil Wayne zu tanzen. Nach einer Weile gehe wir weiter und das Mädchen küsst liebevoll Milenas Hand zum abschied. „Kennst du sie?“, frage ich Milena. „Nein, aber war doch nett.“
Ich könnte noch hundert solcher Geschichten erzählen, da jeden Tag einige passieren. Hier wacht man morgens auf ohne zu wissen was auf einen zu kommt. Von diesen täglichen Erlebnissen sind nur sehr sehr wenige negativ. Und für das kleine bisschen Negatives gibt es meistens auch eine recht guten Grund. Trotzdem denkt man in Deutschland anders.
Es ist enorm verdreht. Das Bild von Afrika in den deutschen Köpfen. Wenn man bedenkt, dass man regelmäßig nach Italien oder Frankreich fährt oder nach Mallorca fliegt, um dort Urlaub zu machen und das zu sehen was man schon mal besucht hat, aus dem Fernsehen oder von Fotos kennt und man dadurch aus Gründen wie Angst vor den Ungewissen, diesen Schwarzen, aus Scham über die Vergangenheit oder oder oder etwas wie Ghana, das vom Flug her genau so teuer wäre, verpasst. Mist. Man verpasst nicht nur Ghana, sonder einiges im Leben! Ich glaube wenn man einmal den Schritt wagt, dann geht es ganz schnell und man will noch mehr von der Welt sehen. Man merk was man für einen kleine Sicht hat, wenn man mal etwas Abstand gewinnt bzw. Distanz aufbauen kann. Jetzt habe ich auch verstanden, wie viel Gutes in dem Tipp von meinem Vater steckte, als er (als ich noch in der Schule war) manchmal sagte, ich solle mich doch mal zurück lehnen und alles von etwas weiter oben betrachten. Mittlerweile habe ich etwas an Höhe gewonnen – ich bin nicht so naiv und sage, dass ich jetzt einen wirklich guten Blick über alles hätte. Aber ich habe den ersten Schritt gemacht und ab jetzt wird mich nichts mehr davon aufhalten noch mehr von der Welt zu sehen, in verschieden Länder zu reisen, Kulturen kennen zu lernen und zu versuchen den Mensch als solches vielleicht ein bisschen neu zu verstehen anstatt meine generell sehr geringe Lebenszeit mit überwiegend unnützen Sachen zu verschwenden.
Afrika – der verloren Kontinent. Das ist bei dem meisten das übliche Bild.
Das man damit über 50 Länder, 2000 Sprachen und so viel Gutes in eine Schublade steckt ohne weiter drüber nach zu denken ist den Meisten gar nicht bewusst. Sätze wie „Huch! Afrika! Ghana!?? Pass aber ja auf!!“, „Komm mir bloß lebend zurück!“, oder „Hast du denn keine Angst?!“ die mir Personen kurz vor meiner Abreise mitgegeben haben verachte ich mittlerweile noch mehr. Da wären wir wieder beim Thema „sich mehr vor dem Ungewissem fürchten als vor der Ähnlichkeit.“ Ich habe mich mit dem Satz auf der Hauptstraße auch wieder ein Stück mehr selbst ertappt. Ich habe mir in Deutschland alle Mühe gemacht, mich so Vorurteilsfrei wie möglich zu verhalten. Es geht aber einfach nicht. Dafür haben wir zu wenig Zugang zu guten Nachrichten und Storys aus Afrika. News über Hungersnöte, Krieg und Krisen verkaufen sich leider besser als Geschichten von Menschen die einfach glücklich und zufrieden leben und ihr Leben sehr gut meistern. Von daher muss man auch diese Sätze etwas anders beleuchten die man mir vor meiner Abreise an den Kopf geworfen hat. Man kann eben auch nur wenig über etwas wissen, wenn man keine Interesse hat das Ungewisse kennen zu lernen und sich mit den 20:00 Nachrichten und den 30 Sekunden Krisen-News über ein afrikanisches Land die auch nur an manchen Tagen kommen, zufrieden gibt.
Jetzt bin ich über das „Selbstertappen“ etwas von Weg abgekommen.Was eigentlich der Sinn dieses Eintrags ist. Ehm. Im Grunde nur die Nachricht: „Ghana ist schon verdammt gut! Wie cool die meisten Leute hier sind!“. Und so viel muss man beschrieben damit ihr ungefähr versteht, was für ein Gedankengang und welche Bilder hinter dem glücklichen Ton, der auf der Hauptstraße aus meinem Mund kam, steckten.
MEDOCH GHANA! ICH LIEBE GHANA!
Veröffentlicht von tom am 5. Februar 2010 in
Ghana
Jetzt habe ich mich mal wieder selber ertappt.
Aber ich muss sagen es wird jedes mal besser und tut gut wenn man die Erkenntnis hat.
Als ich noch in Deutschland gelebt habe, dachte ich, dass ich (fast) frei von Vorurteilen – und vor allem sehr tolerant für alles Mögliche bin. Im Vergleich zu vielen Deutschen ist das bestimmt auch so gewesen aber schon beim Vorbereitungsseminar in Köln, bei dem wir auf die Lebenssituationen in unseren zukünftigen Ländern etwas gewappnet wurden, habe ich im Kurs „Interkulturelle Kommunikation“ das ein oder andere mal gemerkt, dass man von Grund auf mit Vorurteilen erzogen wird. Es liegt an unserer Denkweise, der Kultur, an dem was wir in der Schule lernen, an den Nachrichten etc….
Das Seminar und vor allem Ghana helfen mir gerade Vorurteile und andere Gedankengänge, die man unterbewusst in sich versteckt hält aber doch auslebt, zu finden.
Gestern kam Milena und meinte, dass die Moslems morgen einen Feiertag haben. Sie war in Accra und hat gesehen wie jede Menge Schafe, Ziegen und Kühe durch die Gegend gefahren wurden, da an dem Feiertag jede Familie (die es sich Leisten kann) ein Tier „opfert“. Auch in Komenda gibt es viele Moslems. Da ich sehr kritisch mit dem Thema „Religion“ umgehe wollte ich am nächsten Morgen einen Blogeintrag über die extremen religösen Ansichten der Mensch hier schreiben und mich natürlich auch zu dem „Opfern“ äußern. Die Äußerung wäre wahrscheinlich überwiegend negativ ausgefallen. Ich meine klar ist es krass wenn man überlegt, dass in so vielen Ländern parallel so viele Tiere „ausbluten“. Aber als ich dann im Nachhinein gedacht hab wie selten hier an anderen Tagen geschlachtet wird und wie viele Tiere in Deutschland industriell in einer Stunde „zerheckselt“ werden, dann ist die Relation schon wieder eine ganz andere. Als ich den halben Artikel fertig hatte, dachte ich, dass es falsch ist ,sich über dieses Schlachten zu äußern, wenn man nur das erzählen kann, was man sich in seinem Kopf zu diesem Thema ausmalt. Strg + a und ← und der Text war gelöscht. Da wir im „Songo“, dem muslimischen Viertel von Komenda, leben, bin ich zu unserer Nachbarin gegangen und habe gefragt wann und wo diese Feier genau statt findet, weil ich mir erstmal selber ein Bild von allem machen wollte. Sie hat mich zu ihrem Mann geschickt der dann wiederum eine Frau geschickt hat, die mich zu einem anderen Mann gebracht hat, der mir dann den Platz gezeigt hat.
Als ich ankomme, werde ich von einem Dutzend Männern, von denen die Hälfte traditionelle Gewänder tragen und die anderen ganz normale Sachen wie Jeans und Basketballtrikots, sehr freundlich empfangen. Sie bedanken sich herzlich, dass ich sie besuche, bringen mir einen Stuhl, gekühltes Wasser und bedanken sich nochmal. Wir sitzen zusammen und ich schaue über ihre Schultern und beobachte den Platz.
Das Schlachten hat schon stattgefunden und sehe da. Ich hätte es komplett anders beschrieben als jetzt. Erstens sind es gar nicht so viele Tiere, da sich hier aus Geldmangel bis zu sieben Familien ein Tier teilen und zweites wird jedes Teil vom Tier genutzt. Das Fleisch von den Schafen und den Kühen liegt auf einen Riesengrill mit einer faszinierenden Konstruktion. Ein Mann spannt gerade mit Holzpflöcken die Felle der Tiere und selbst die Köpfe der Tiere, so sagt mir einer der Männer, werden nach dem das Fleisch über dem Feuer gegrillt ist auch noch in die Glut gelegt und das Fleisch davon dann gegessen.
Ich sitze noch zwei Stunden mit den Männern zusammen. Wir unterhalten uns über die schlechte Arbeitssituation in Komenda. Wir diskutieren darüber, das fast alle Männer hier Arbeitslos sind, da es so gut wie keine Firmen oder Unternehmen in Komenda gibt die Leute anstellen. Die Zuckerfabrik die fast ganz Komenda beschäftigt hat und noch ein Überbleibsel der britischen Kolonialzeiten war, ist schon seit den 80ern geschlossen. Darüber werde ich wann anders aber noch berichten. Ich frage ob ich ein paar Fotos machen kann. „Don`t worry. Feel free.“




Sobald ich die Kamera raus hole stehen 20 Kinder am Rand des Platzes. Fotos sind eine Sensation. Sich auf dem Display der Kamera zu sehen ist für die Kinder das Größte. Ich mache erste ein paar Fotos vom Grill und den Fellen und dann von den Kids. Dann werden auch die Männer munter und wir starten eine kleine Fotosession.

Mittlerweile ist das Fleisch gut und vor mir steht eine große Schale mit Reis und einer leckeren Soße, dazu gibt es das frisch gegrilltes Fleisch. „Chop my friend, chop more“. Iss mein Freund, iss so viel du kannst. Wir sitzen alle um die Schale und essen mit den Hände. Als die Schale leer ist kommt die Nächste. Nachdem wir alle satt sind bekommen die Kinder essen. Mir ist aufgefallen, dass nur kleine Mädchen (bis 10 Jahre) auf dem Platz sind und gar keine Frauen. Das ist die Regel bei der Feier. Die Frauen sitzen außerhalb, unterhalten sich und bereiten den Reis und die Innereien der Tiere zu. Amina, die auch auf dem Platz ist, führt mich zu ihrer Mutter. Ich werde herzlich empfangen und die Frauen fragen ob ich sie nicht mal Fotografieren könnte.

Wir sitzen noch eine Weile zusammen und dann gehe ich wieder zu den Männern.
Als ich ankomme begrüßt mich einer der Männer mit „Hallo, wie geht es dir“. Er hat vor langer Zeit mal ein paar Sätze Deutsch gelernt und wir unterhalten uns etwas. Danach verabschiede ich mich von allen und gehe zum AIM. Meeting.
Serdar Somuncu, ein deutsch türkischer Stand-Up-Comidian, hat einmal gesagt:
„Tatsächlich scheint es ein Hauptmotiv von Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeiten zu sein, dass man sich mehr vor dem Ungewissem fürchtet als vor der Ähnlichkeit.“Ich denke das war die Lektion des Tages.
Bevor man urteilt – erstmal kennen lernen!
Euer Tom

Veröffentlicht von tom am 4. Februar 2010 in
Komenda
Ich sitze auf der kleinen Couch in Solomons kleinen Raum. Wir haben 18:30 Uhr und draußen wird es langsam dunkel. Neben mir brummt der Ventilator. An der Wand vor mir hängt ein Poster von Martin Luther King, daneben ein Foto das Solomon zeigt wie er mit Wollmütze und riesen Winterjacke in New York vor einem Wolkenkratzer steht. Darunter steht ein Fernseher auf dem Fußball läuft. Solomon sitzt gegenüber von mir auf einem Sessel. Wir unterhalten uns schon seit gut zwei Stunden. Es klopft. Solomon bittet die Person rein aber als Antwort kommt nur ein Kinderstimmchen das irgendwas auf Fante sagt. Solomon steht auf und sagt zu mir, dass ich mitkommen kann wenn ich will, es wäre jetzt Geschichtszeit – die Kinder warten schon. Wir gehen aus seinem Raum in einen kleinen Innenhof der von Häusern eingerahmt ist. Eine große Wohngemeinschaft, wie ich es von meinem Zuhause kenne. Wir laufen an einer Gruppe Frauen vorbei die gerade Essen machen und passieren einen schmalen Gang, der aus dem Innenhof raus führt. Und tatsächlich. Ich sehe 12 Kinder die auf einer kleinen Mauer sitzen und Solomon erwartungsvoll angucken. Die Geschichtszeit beginnt. Ein kleines Mädchen bringt Solomon einen Hocker und setzt sich zu der Gruppe von Kindern dazu. Solomon fängt an zu erzählen und bringt die Kinder immer wieder dazu auch auf zu stehen und selber was den anderen zu erzählen. Auch wenn ich kein Wort verstehe sagt die Körpersprache von Solomon und den Kinder sehr viel aus. Außerdem lachen und applaudieren die Kinder immer wieder während Solomon erzählt. „Ich wünschte ich könnte das mal fotografieren“ denke ich mir. Kaum eine Minute später holt Solo während dem erzählen eine Kamera aus seiner Tasche und gibt sie mir kommentarlos. Ich knips ein paar Bilder und höre weiter gespannt zu.

Als Solo fertig ist, jubeln die Kinder und gehen zurück in ihrer Häuser. Solo, Kalusha (ein junger Mann den ich beim letzten Solo-Besuch schon kennen gelernt habe) und ich stehen noch eine Weile zusammen. Ich frage Solo um was es bei der Geschichte ging. „Oh, es war nicht eine sondern drei Geschichten und außerdem haben die Kinder auch auch noch welche erzählt.“
Als mich Solomon zur Trotrostation bringt, sagt er mir das er dieses Geschichtserzählen ab jetzt jeden Abend machen will.
„Es ist wichtig diese Geschichten weiter zu geben die ich selber von meinen Großeltern abends am Feuer erzählt bekommen habe. Die Kinder sind sehr interessiert und lernen schnell – wenn sie den ganzen Tag im Haus sind muss man das irgendwie unterstützen. Siehst du. Ich hab gestern damit angefangen und es waren zwei Kinder da. Sie haben es ihren Freunden aus der Nachbarschaft erzählt und heute waren es schon 12.
„A short story with a moral lesson is stronger than a big book without one!“
- Kalusha