Das Aufflammen der Lebensenergie. „SULIA!!“

Veröffentlicht von tom am 7. Februar 2010 in Afrika, Ghana

Glücklich. Ein paar gechillte Minuten auf der weichesten Wiese auf der ich je lag. (Ort: Voltaregion/Wli an der Grenze Ghana/Togo)

Glücklich. Ein paar gechillte Minuten auf der weichesten Wiese auf der ich je lag. (Ort: Voltaregion/Wli an der Grenze Ghana/Togo)

„In Deutschland arbeitet man auf dem Freitag hin und hasst den Montag – in Ghana ist auch unter der Woche Wochenende!“, sagt Milena und ergänzt: Schreib das mal auf, das is n` Zitat wert!
Kurz vorher habe ich, während wir die Hauptstraße von Komenda runter liefen, unverhofft einfach in einem glücklichen Ton ein „Ghana ist schon verdammt gut! Wie cool die meisten Leute hier sind!“ ausgestoßen und mir meinen Teil dazu gedacht.

Es ist unheimlich schwer das Feeling, das man hier hat, in Worte zu fassen, dann in Buchstaben zu pressen und bis nach Deutschland zu senden und zu hoffen, dass es von euch richtig entschlüsselt wird ohne, das dabei Informationen verloren gehen.
Das Zitat am Anfang des Blogs gefällt mir immer noch sehr gut. Ich sehen jeden Tag wieder Dinge die mich auf eine angenehme Art verwirren. Sachen, die man nie erwartet hätte. Und doch ist vieles sehr sehr gleich. Eben diese Ähnlichkeit die man spürt, obwohl man sich gefühlt in einer „ganz anderen Welt“ befindet.

Heute habe ich mir gedacht, dass du hier sogar einfach nur an der Straßenecken stehen kannst und es ist trotzdem vorprogrammiert, dass irgendetwas etwas passiert. Als ich so an der Straßenecke stehe und darüber nachdenke läuft ein kleiner Junge vorbei und summt ein Lied. Er hat, was mich etwas verwirrt, über seinen Kopf eine durchsichtige Plastiktüte gezogen und klopft zwei Schrauben aneinander, während er dazu im Tanzschritt läuft. Nach vier Schläge, hebt er das rechte Bein leicht anwinkelt nach hinten und nach den nächsten vier das Linke. So läuft er im gleichmäßigen Tempo an mir vorbei ohne mich auch nur an zu gucken. Ich frage Josia, was der Junge macht und er antwortet nur: „He is just happy.“ Ein Mann kommt vorbei und grüßt nett, man plaudert kurz und wir gehen weiter. Milena läuft neben mir als von der Seite ein Mädchen auf Milena zu läuft. Sie reicht Milena die Hand. Schüttelt sie länger. Umarmt sie und bleibt, mit dem Arm um sie gelegt, stehen. Dann nimmt sie beide Hände von Milena und fängt an mit ihr zu tanzen. Josia holt sein Handy raus und es fangen beide an auf Lil Wayne zu tanzen. Nach einer Weile gehe wir weiter und das Mädchen küsst liebevoll Milenas Hand zum abschied. „Kennst du sie?“, frage ich Milena. „Nein, aber war doch nett.“
Ich könnte noch hundert solcher Geschichten erzählen, da jeden Tag einige passieren. Hier wacht man morgens auf ohne zu wissen was auf einen zu kommt. Von diesen täglichen Erlebnissen sind nur sehr sehr wenige negativ. Und für das kleine bisschen Negatives gibt es meistens auch eine recht guten Grund. Trotzdem denkt man in Deutschland anders.

Es ist enorm verdreht. Das Bild von Afrika in den deutschen Köpfen. Wenn man bedenkt, dass man regelmäßig nach Italien oder Frankreich fährt oder nach Mallorca fliegt, um dort Urlaub zu machen und das zu sehen was man schon mal besucht hat, aus dem Fernsehen oder von Fotos kennt und man dadurch aus Gründen wie Angst vor den Ungewissen, diesen Schwarzen, aus Scham über die Vergangenheit oder oder oder etwas wie Ghana, das vom Flug her genau so teuer wäre, verpasst. Mist. Man verpasst nicht nur Ghana, sonder einiges im Leben! Ich glaube wenn man einmal den Schritt wagt, dann geht es ganz schnell und man will noch mehr von der Welt sehen. Man merk was man für einen kleine Sicht hat, wenn man mal etwas Abstand gewinnt bzw. Distanz aufbauen kann. Jetzt habe ich auch verstanden, wie viel Gutes in dem Tipp von meinem Vater steckte, als er (als ich noch in der Schule war) manchmal sagte, ich solle mich doch mal zurück lehnen und alles von etwas weiter oben betrachten. Mittlerweile habe ich etwas an Höhe gewonnen – ich bin nicht so naiv und sage, dass ich jetzt einen wirklich guten Blick über alles hätte. Aber ich habe den ersten Schritt gemacht und ab jetzt wird mich nichts mehr davon aufhalten noch mehr von der Welt zu sehen, in verschieden Länder zu reisen, Kulturen kennen zu lernen und zu versuchen den Mensch als solches vielleicht ein bisschen neu zu verstehen anstatt meine generell sehr geringe Lebenszeit mit überwiegend unnützen Sachen zu verschwenden.
Afrika – der verloren Kontinent. Das ist bei dem meisten das übliche Bild.
Das man damit über 50 Länder, 2000 Sprachen und so viel Gutes in eine Schublade steckt ohne weiter drüber nach zu denken ist den Meisten gar nicht bewusst. Sätze wie „Huch! Afrika! Ghana!?? Pass aber ja auf!!“, „Komm mir bloß lebend zurück!“, oder „Hast du denn keine Angst?!“ die mir Personen kurz vor meiner Abreise mitgegeben haben verachte ich mittlerweile noch mehr. Da wären wir wieder beim Thema „sich mehr vor dem Ungewissem fürchten als vor der Ähnlichkeit.“ Ich habe mich mit dem Satz auf der Hauptstraße auch wieder ein Stück mehr selbst ertappt. Ich habe mir in Deutschland alle Mühe gemacht, mich so Vorurteilsfrei wie möglich zu verhalten. Es geht aber einfach nicht. Dafür haben wir zu wenig Zugang zu guten Nachrichten und Storys aus Afrika. News über Hungersnöte, Krieg und Krisen verkaufen sich leider besser als Geschichten von Menschen die einfach glücklich und zufrieden leben und ihr Leben sehr gut meistern. Von daher muss man auch diese Sätze etwas anders beleuchten die man mir vor meiner Abreise an den Kopf geworfen hat. Man kann eben auch nur wenig über etwas wissen, wenn man keine Interesse hat das Ungewisse kennen zu lernen und sich mit den 20:00 Nachrichten und den 30 Sekunden Krisen-News über ein afrikanisches Land die auch nur an manchen Tagen kommen, zufrieden gibt.
Jetzt bin ich über das „Selbstertappen“ etwas von Weg abgekommen.Was eigentlich der Sinn dieses Eintrags ist. Ehm. Im Grunde nur die Nachricht: „Ghana ist schon verdammt gut! Wie cool die meisten Leute hier sind!“. Und so viel muss man beschrieben damit ihr ungefähr versteht, was für ein Gedankengang und welche Bilder hinter dem glücklichen Ton, der auf der Hauptstraße aus meinem Mund kam, steckten.

MEDOCH GHANA! ICH LIEBE GHANA!

3 Kommentare

charly [loves to sk8] xD
7. Februar 2010 um 16:48

cooles bild…sieht echt entspannt aus 😉


 
Gabi Ullmann
16. Februar 2010 um 21:02

Hallo Tom,
an dieser Stelle (…ist es die Richtige?) ganz herzlichen Dank
für die Karte und vor allem die Anrufe zum Geburtag und so…
Das verblüfft und freut mich unheimlich.
Weiterhin alles Liebe für dich.
Ich gehe einfach davon aus, dass es dir sehr gut geht.
Deine Nachbarin Gabi


 
Ute
15. Juli 2010 um 16:19

Hallo lb. Tom,

es ist wirklich toll was du alles erlebst und wie schön du es beschreiben kannst.Was für eine Bereicherung dein Leben gerade erfährt weißt du selber am meisten zu schätzen.
Dein neuer Musikfilm Ghana Black Stars macht richtig gute Laune!! Wie lange hast du dafür gebraucht??
Ich wünsche dir für die letzen Wochen noch viele schöne Eindrücke,Erlebnisse und „chillige“ (Oh je,wird das so geschrieben, gibt es das Wort überhaupt??)Momente. Herzlich Grüße aus Linsengericht Ute


 

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