ICH BIN WIEDER DA!
Könnt ihr euch eigentlich die Stadt vorstellen?

Veröffentlicht von tom am 11. Januar 2010 in Ghana

    Ein neues Jahr. Ich bin wieder da!
    Nach einer kleinen Pause, die nebenbei bemerkt eine der schönsten meines Lebens war, schreibe ich endlich mal wieder einen Eintrag für den Blog. Mittlerweile platze ich fast vor Lebensenergie! Ghana a dey go crazyo! Ich habe so viele vor für die kommenden neuen Monate, dass mein Kopf gerade auf drei Spuren fährt um alles noch parallel mit gleicher Geschwindigkeit bearbeiten zu können. 2010 wird ein produktives Jahr. Lass euch überraschen! Ich will jetzt noch nicht alles verraten, bis auf das es einfach genial wird. Aber erstmal lade ich noch die alten Einträge hoch und start(2think)e noch einen kleinen Versuch.

    „Könnt ihr euch die Stadt vorstellen?“

    Ich mache jetzt einen Versuch euch ansatzweise zu schildern warum ich mich hier so wohl fühle.
    Ich reduzieren meinen Erklärungsversuch auf einfachste Mittel und werde meine Erfahrungen mit den Menschen und dem Leben aus Ghana in einer kleinen Geschichte zusätzlich umgedreht auf Deutschland bezogen reproduzieren. Um es einfach zu sagen. Während ich (oberflächlich: ein Weißer) in ein kleines Dorf in Ghana gehe, geht ein Junge aus Komenda (oberflächlich: ein Schwarzer) in ein Dorf in Deutschland. Ich erzähle beide Geschichten parallel – so merkt ihr den Unterschied am besten. Ich werden wahrscheinlich an der ein oder anderen Stelle etwas übertreiben, da die Kurzgeschichte ja nur eine Metapher für die Besonderheit dieses Landes ist.

    „Ich komme in dem Dorf an. Es ist zwar der 22 Dezember 2009 aber trotzdem angenehme 28 Grad und der Horizont ist mit Palmen geschmückt. Gerade geht die Sonne über dem blau weiß schimmernden Meer unter und spiegelt sich dabei auf einer länge von 100 Metern. Das Dorf an der Küste ist kleiner als Komenda und deshalb bin ich einer der wenigen „Brunis“ (Weißen) die seit der Kolonialzeit dieses Dorf betreten haben. Für manche Kinder bin ich der erste Weiße den sie je gesehen haben. Ich steh auf dem Dorfplatz und schaue mich, mit meinem Rucksack auf dem Rücken, erst einmal um. Die Leute reagieren freundlich, interessiert und neugierig. Kinder wollen einen anfassen und Jugendliche und Erwachsene mit mir reden. Ein paar wenige halten lieber etwas Abstand und beobachten alles. Sie sind aber trotzdem freundlich wenn man sie grüßt.
    Zu gleichen Zeit kommt der Junge aus Komenda mit seinem Rucksack in dem kleinen Dorf in Deutschland an. Es ist gerade Dämmerung von der er aber kaum etwas merkt, da die ganzen Straßenlichter und Läden alles stark beleuchten. Er steht auf dem verschneiten Dorfplatz und sieht Leute hektisch mit großen Taschen an ihm vorbei laufen. Ein Mann rempelt ihn an und fragt ob der Junge keine Augen im Kopf hätte und warum er den Weg blockiert. Da der Junge etwas über die deutsche Sprache vor seine Abreise gelernt hat versteht er immerhin das Wort „Weg“ und läuft los. Konsumrausch vor Weihnachten ist für ihn nicht wirklich ein Begriff und deshalb läuft er erstmal alleine die Straße entlang.
    Ich bekomme von Frauen hinter einem kleinen Marktstand frische Früchte angeboten und werde von einer netten kräftig gebauten Frau zum Essen eingeladen. Ich setze mich zu ihr und obwohl wir uns nie vorher gesehen haben, essen wir beide mit den Hängen aus der selben Schale. Fisch der gerade aus den Netzen kommt und frisch gebraten wurde, dazu ein gelblicher Teig-Ball und eine leckere frisch gestampfte Tomatensoße.
    Dem Jugen ist kalt und hunger kommt auch langsam auf. Er sieht einen Weihnachtsmarktstand bei dem „Schmidts Würste vom Grill“ verkauft werden. Am Tresen wird er in einem stummen Getummel nach vorne gedrückt bis er an der Kasse steht. Was wollen Sie? Essen? Was? Ja was? Das? Also ne Bratwurst ? MIT? Mit welchem Getränk?? A Coke! Sonst noch was. Nein?
    Er bekommt eine etwas verkohlte Wurst und sein, ihm aus Komenda bekanntes Getränk, zahlt für seine Verhältnisse viel zu viel und steht alleine mit einem Pappteller in der Hand in der Gegend herum. Er wird von dem stummen Getummel wieder aus dem Kassenbereich weg geschoben. Da es keine Tische gibt die noch frei sind, setzt er sich auf eine Mauer, von der er aber gleich wieder aufstehen muss, weil „Sitzen verboten“ ist und das, wenn er lesen könnte, auch in Druckbuchstaben auf einem Schild steht. Nun ist er einfach im stehen.
    Ich habe mittlerweile fertig gegessen und zeige, dass es mir gut geschmeckt hat. Die Frau feiert es. Sie findet es einfach klasse, dass mir ihr Essen schmeckt und auch ihre drei Freundinnen reden laut und freudig darüber. Als ich „Danke für das Essen!“ auf ihrer regionalen Sprache sage, rasten sie komplett aus. Das hätte hier keiner erwartet. Der Neue kann sogar etwas von ihrer Sprache. Jetzt kommen auch die Nachbarn und wollen nochmal hören, wie ich etwas sage.
    Da ich ein bisschen über die ghanaische Sprache vor meiner Reise gelernt habe, weiß ich, dass es gut ankommt, wenn man einen ghanaischen Namen (benannt nach dem Wochentag an dem man geboren) hat.
    Ich sage, dass ich „Kobbina Ebo“ (Der, der am Dienstag geboren ist) heiße, was sich gleich in der ganzen Nachbarschaft herumspricht. Bei den nächsten kleinen Sätzen die ich sage, habe ich manche Wörter falsch ausgesprochen. Das macht hier aber keinem was und würde auch niemals kritisiert werden. Da hier sehr viele kurz rasierte Haare haben, sind selbst meine etwas längeren dunkelblonden Haare eine Attraktion die besonders die Kinder interessiert. Als ich die Frau verabschiede ruft ein ganzer Kinderchor den Namen und winkt zum Abschied. Ich mache mich auf den Weg einen Gasthaus oder Gastzimmer zu finden.
    Der Hunger ist zwar nicht wirklich von den fettigen Würstchen gestillt aber wo soll man jetzt hin, ist die größere Problem, denkt sich der Junge. Er fragt einem Mann, der genau wie die Leute in Komenda kurz rasierten Haaren hat. „Wo könnte ich schlafen? Bittesehr?
    Redestde mit mir? Ich kenn dich nich, was weiß ich denn??! Geh dahin wo de her kommst du Ausländer und lern erstma Deutsch.“
    Anscheinend weiß es dieser Mann das nicht. Also spricht er die Frau neben ihm an. „Jetz reischts aber Freundschen. Laber meiner Frau nich an du Neger! Verpiss dich!
    Da ich nur weiß, was das Wort „schlafen“ auf Fante heißt, frage ich dieses Wort einen Mann. Ich hatte zwar an einen Gästeraum gedacht aber der Mann macht mir mit ein paar Worten und Handbewegungen klar, dass ich bei ihm eingeladen bin. Ich versteh leider nicht alles was er sagt aber da er sehr sympathisch reagiert denke ich, dass ich ihm Vertrauen kann und so laufe ich ihm hinterher.
    Der Schlag kam unerwartet. Mitten ins Gesicht. Der Junge knallt mit der Nase auf den harten Steinboden und bleibt liegen. Der Mann und die Frau sind Verschwunden als die Sicht wieder klarer wird. Jetzt liegt der Junge im Schnee, der sich im Kopfbereich von weiß in hellrot verfärbt. An dem Tempo der vorbei laufenden Leute hat sich nichts geändert. Abfällig werfen ein paar wenige Blicke im vorbei laufen auf ihn. Hilfe kommt erst als er anfängt zu rufen.
    Ich komme an einem kleinen Haus an. Die Frau des Mannes schlachtet extra ein Huhn und es wird am Abend noch ein leckeres Essen gekocht von dem alle Kinder, die Eltern und ich satt werden. Die Gastfreundlichkeit hat kein Ende und so besteht der Mann darauf, dass ich in dem großen Bett schlafe, während er und seine Frau die Nacht auf dem Boden schlafen werden. Ich nehme sein Angebot an, nach dem er mir dreimal sagt, dass es kein Problem für ihn sei wenn er auf dem Boden schläft. Da mein Fante nicht mehr ausreicht um alles zu sagen, haben wir den ganzen Abend über auf Englisch weiter geredet, was als Mittelweg der Sprachen sehr gut funktioniert.
    Der Mann, der dem Jugen hilft, kann leider nicht viel verstehen. Der Jungen versucht es mit Englisch und Französich und in seiner Not auch mal mit Twi und Fante und ist irritiert das der Mann nur eine Sprache nämlich Deutsch kann. Also bleibt es bei keinen Namen und auch keinen Äußerungen über das, was wirklich passiert ist. Im Krankenhaus angekommen, liefert der Mann ihn an der Rezeption ab. Er sagt, dass sich der Junge mit jemanden geschlagen hat und geht.
    Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von allen wobei mir sogar die zerbrechliche Großmutter sehr herzlich die Hand schüttelt. Gerade als ich aus Sichtweite bin, stolpere ich über eine kleine Wurzel, falle und knall mit der Nase auf den Erdboden.
    Als meine Sicht klarer wird stehen fünf Leute vor mir. Alle versuchen mir zu helfen. Ich werde zum nächsten Arzt begleitet, kann aber schon wieder laufen. Die Unterstürzung gibt einem so viel Energie, dass selbst Schmerzen etwas nachlassen.
    Die Krankenschwestern sind nicht erfreut ihn zu sehen. Wieder einer von den Ausländern die kaum Deutsch können und sich nur schlagen wollen. Krankenversicherungskarte??
    Sie haben keine?? Haben sie einen Ausweis dabei? Verstehen sie mich?? Wenn sie nicht mit mir reden wollen bin ich dazu verpflichtet unverständlich die Polizei zu verständigen!
    Ich muss um behandelt zu werde eine Krankenkarte haben. Das ist ganz schnell möglich und mit fast keinem bürokratischen Aufwand zu erledigen. Name? Geburtsdatum? 2 cd (umgerechnet 1€) bitte? Das ist ihr Karte! Da sie alles auf Englisch anstatt auf Fante sagt, da sie grundsätzlich davon ausgeht, dass ich ihre Sprach nicht kann, ist es für mich möglich alles zu verstehen. Ich sage „Danke!“ auf ihrer Sprache und wieder ist die Freude groß.
    Als die Polizei ihn abholt weiß er nicht was mit ihm geschieht. Es geht alles zu schnell.
    Am liebsten wäre er jetzt einfach wieder in Komenda. Da wird er auch bald sein.
    Gewaltbereite Ausländer die nicht assimiliert sind haben nämlich in Deutschland nichts zu suchen und werden schnellst möglich Abgeschoben.“

Boom, das ging schnell aus den Fingern und wenn ich es mir selber nochmal so durchlesen kommt es natürlich, wie schon vermutet, etwas übertrieben rüber. Aber man merkt, wenn auch auf etwas sarkastische Weise und vor allem wenn man Deutschland UND Ghana etwas kennt, das wahre Worte dahinter stecken. Und das beste ist, das Ghana nicht nur im Dorf verdammt genial ist. Hab ich schon erwähnt, dass ich auch öfters schon in der Stadt war?!! Ihr würdet es nicht glauben, wenn ich erzähle was man dort erleben kann. Klar! Natürlich gibt es auch negative Erlebnisse und Tatsachen aber genau wie ich in meinem ersten Eintrag auf diesem Blog schon mal gesagt habe, überwiegen die Positiven, so dass ich darüber hinwegsehen kann und es in diesem Zusammenhang gerade nicht erwähnen brauche. Ghana und alles was ich erlebe ist leider kaum in Worte zu fassen – zumindest nicht in Worte die man in Deutschland sinnvoll entschlüsseln könnte. Boom-chaca-taaaa!
Nun erstmal ein frohes neues Jahr und seit gespannt auf das, was noch kommt.

Love&Respect against Babylon

Euer Tom as “the 3rd Eye“

5 Kommentare

gabriela palm
18. Januar 2010 um 09:00

Lieber Tom.
es ist einfach toll wie und was Du schreibst. Ich wünsche Dir, daß dein Jahr 2010 so reich wird, wie du es Dir vorstellst.
Herzliche Grüße
Gabi


 
Yannick & family
22. Januar 2010 um 19:19

Hallo Tom,
ich bin total beeindruck wie du so eine tolle Website aufgestellt hast. Find ich super hammer. Ich hoffe dir geht es gut und sehen uns hoffentlich wieder wenn du da bist. Natürlich wünsch ich dir noch eine schöne Zeit da unten und hoffe, dass du noch weiter deinen bloq führst. Ich finde den Film “ Save our Children “ sehr gut und hoffe das du die Probleme irgendwie in den Griff bekommst und den Kids helfen kannst.
PS. Lass es dir auch mal gut gehen und chill mal ne Runde am Strand.
Hau rein dein alter Freund Yannick


 
Robin
24. Januar 2010 um 21:51

Tom, mein Bruder!
Ich verfolge jetzt schon einige Zeit deinen Blog und lese interessiert jeden neuen Beitrag und beneide dich auch etwas um deine ganzen neuen Erfahrungen 😉
Sehr beeindruckend, deine Schilderungen und Erlebnisse, schade, dass wir das nicht gemeinsam genießen können.
Leider habe ich in letzter Zeit desöfteren vergeblich versucht dich anzurufen. Auch nachdem ich mehrere verschiedene Vorwahlen für Ghana rausgesucht habe – tut sich nix.
In meiner leider im Moment unerfreulich spärlich vorhandenen Freizeit arbeite ich im Moment an unserem kleinen Projektchen und auch, wenn es langsam vorangeht: Immerhin tut es das jetzt überhaupt 😉
Ich muss unbedingt wieder was von dir hören, am besten nicht per E-Mail, sondern am Telefon! Fix das Problem mal wieder, ich muss noch unbedingt paar Sachen mit dir besprechen.
Schreib am besten auf Email, das ist für mich am einfachsten!
Genieß dein Leben dort, knapp die Hälfte wird bereits rum sein und zwischen all dem Alltagsstress hier und ner Menge aktiver Verdrängungsarbeit meinerseits vermisse ich dich ordentlich!
Peace Broooo :-*


 
Jot
25. Januar 2010 um 18:49

Hey Tom mein Bester,

Danke für die Geburtstagswünsche aus Ghana..
In der Heimat ist eigendlich alles wie gehabt, nur das ich Student sein werde wenn du wieder da bist…

Ich hoffe bei dir ist auch alles in Ordnung, wobei wenn man sich deine Berichte, Bilder und Videos ansieht, bestehen eigentlich keine Zweifel 😉 Dir geht es gut!
Ich hoffe nur das ich dich hier einmal wiedersehe, und du nicht für immer in Ghana bleibst;)
Natürlich würden wir dann auch eine Lösung finden…Robin würde bestimmt mitkommen und dich Besuchen:)
Ansonsten wünsch ich dir alles Gute bei deinem Tun und Handeln….vll verpassen wir uns bei deinem nächsten Anruf einmal nicht, so wie bei den letzten 3 😉

Liebe Grüße aus Gelnhausen! (auch von dem rest der Ulmann-Sippe)

Peace ma Man 🙂


 
charly [loves to sk8] xD
31. Januar 2010 um 19:56

hey ich würde dich auch gern ma besuchen kommen…;)
ich versuch schon zu sparen…:)
ohne mist:D


 

Kommentar schreiben

Copyright © 2017 start2think blog All rights reserved. Based on the theme by Laptop Geek.