Veröffentlicht von tom am 22. Juli 2010 in Film, Komenda
In zwei Stunden werde ich mich auf den Weg nach Lome (Togo) machen und meine Westafrika-Reise beginnen. Stueck fuer Stueck wird sich das Puzzel meiner Reise zusammensetzten. Ich lass mich einfach von jedem neuen Tag ueberraschen. Hier kann sowas nur gut gehen. ;)
Nun noch ein Film, damit ihr was habt bis ich dann mal von der Reise und dem Workshop berichte.
Genau passend zu den Sommerferien in Deutschland will ich euch noch einen Einblick geben, wie man in Ghana den letzten Schultag feiert. Ganz besonder mag ich das Ende..also nehmt euch ruhig mal die Zeit und geniesst die Show, die die Kids selber geplant haben! Die Schule, die ihr sehen werdet, ist ueberigens ein von drei JHS’s in Komenda (Junior High School). Um es einfach zu erklaeren : Die 2 Stufe zwischen Grundschule (Kindergarten/Creche) und Abitur (SHS). Einige meiner Workshop-Kids gehen auch genau dort zur Schule und in der gleichen Halle treffen wir uns oefters mal fuer den Workshop (z.B. fuer Filmvorfuehrungen).
Viel Spass mit dem Film! Ich war selber erstaunt was die Kids so drauf haben!!
Wenn das nicht ein schöner Start in die Woche ist. Seit langem wieder mal ein Lebenszeichen!
Woooow.
Ich weiß gar nicht wie ich wieder anfangen soll den langsam platze ich fast vor Geschichten, die mir in den letzten drei Monaten passiert sind.
Erstmal will ich mich bedanken! Ich bin froh, dass ihr selbst nach dieser etwas längeren Schreibpause immer noch vorbei schaut und wissen wollt was in Ghana vor sich geht. Danke dafür!
Daumen hoch.
Ich will gleich mal mit einer guten Nachricht anfangen und von dem Erfolg erzählen, den wir dank unseres Films „Save our Children“ hier in Komenda hatten. Den Film hatten wir damals gedreht um auf die Umweltproblem in Komenda aufmerksam zu machen.
Alleine, dass wir an den Müll-Brennpunkten Komendas gedreht haben, hat sich wohl schnell herumgesprochen und dementsprechend wurden von den Bewohnern Maßnahmen ergriffen. Ich war eine ganze Weile nach dem wir den Film fertig hatten wieder am Strand, um nochmal den Müllberg zu fotografieren. Doch was ich vorgefunden haben war das exakte Gegenteil.
Der Müllberg am Strand, der extrem verschmutze Strandabschnitt, sowie die öffentlichen Toiletten in denen wir gedreht hatten waren komplett gesäubert. Ich haben ein paar Vorher/Nachher Bilder gemacht um den Unterschied mal deutlich zu machen.
Der Müllberg (Vor dem Film)
Der Müllberg (Nach dem Film)
Der Strandabschnitt (Vor dem Dreh)
Der Strandabschnitt (Vor dem Dreh)
Der Strandabschnitt (Nach dem Dreh)
Es gibt immer noch kein einheitliches Müllentsorgungssystem aber das der Wille für eine Änderungen da ist, hat diese Aktion gezeigt. Änderungen brauchen ihre Zeit. In den großen Städten werden diese Änderungen langsam sichtbar, denn eine Art Müllabfuhr wird gerade eingeführt. Die Leute in Komenda sind zur Zeit noch gezwungen ihren Müll in der Natur zu entsorgen. Aber klar ist: Da wo schon alles vermüllt ist, ist es einfach noch etwas drauf zu schmeißen. Jetzt, wo der Strand gesäubert ist,wird es mindestens einen „Aha-Effekt“ geben und etwas mehr Überwindung kosten neuen Müll dort hin zu schmeißen. Und dieser Denkanstoß war ja auch unsere Absicht – Start2think!
Beste Grüße aus Ghana und einen gechillten Start in die Woche!
Euer Tom
Veröffentlicht von tom am 4. Februar 2010 in Komenda
Ich sitze auf der kleinen Couch in Solomons kleinen Raum. Wir haben 18:30 Uhr und draußen wird es langsam dunkel. Neben mir brummt der Ventilator. An der Wand vor mir hängt ein Poster von Martin Luther King, daneben ein Foto das Solomon zeigt wie er mit Wollmütze und riesen Winterjacke in New York vor einem Wolkenkratzer steht. Darunter steht ein Fernseher auf dem Fußball läuft. Solomon sitzt gegenüber von mir auf einem Sessel. Wir unterhalten uns schon seit gut zwei Stunden. Es klopft. Solomon bittet die Person rein aber als Antwort kommt nur ein Kinderstimmchen das irgendwas auf Fante sagt. Solomon steht auf und sagt zu mir, dass ich mitkommen kann wenn ich will, es wäre jetzt Geschichtszeit – die Kinder warten schon. Wir gehen aus seinem Raum in einen kleinen Innenhof der von Häusern eingerahmt ist. Eine große Wohngemeinschaft, wie ich es von meinem Zuhause kenne. Wir laufen an einer Gruppe Frauen vorbei die gerade Essen machen und passieren einen schmalen Gang, der aus dem Innenhof raus führt. Und tatsächlich. Ich sehe 12 Kinder die auf einer kleinen Mauer sitzen und Solomon erwartungsvoll angucken. Die Geschichtszeit beginnt. Ein kleines Mädchen bringt Solomon einen Hocker und setzt sich zu der Gruppe von Kindern dazu. Solomon fängt an zu erzählen und bringt die Kinder immer wieder dazu auch auf zu stehen und selber was den anderen zu erzählen. Auch wenn ich kein Wort verstehe sagt die Körpersprache von Solomon und den Kinder sehr viel aus. Außerdem lachen und applaudieren die Kinder immer wieder während Solomon erzählt. „Ich wünschte ich könnte das mal fotografieren“ denke ich mir. Kaum eine Minute später holt Solo während dem erzählen eine Kamera aus seiner Tasche und gibt sie mir kommentarlos. Ich knips ein paar Bilder und höre weiter gespannt zu.
Als Solo fertig ist, jubeln die Kinder und gehen zurück in ihrer Häuser. Solo, Kalusha (ein junger Mann den ich beim letzten Solo-Besuch schon kennen gelernt habe) und ich stehen noch eine Weile zusammen. Ich frage Solo um was es bei der Geschichte ging. „Oh, es war nicht eine sondern drei Geschichten und außerdem haben die Kinder auch auch noch welche erzählt.“
Als mich Solomon zur Trotrostation bringt, sagt er mir das er dieses Geschichtserzählen ab jetzt jeden Abend machen will.
„Es ist wichtig diese Geschichten weiter zu geben die ich selber von meinen Großeltern abends am Feuer erzählt bekommen habe. Die Kinder sind sehr interessiert und lernen schnell – wenn sie den ganzen Tag im Haus sind muss man das irgendwie unterstützen. Siehst du. Ich hab gestern damit angefangen und es waren zwei Kinder da. Sie haben es ihren Freunden aus der Nachbarschaft erzählt und heute waren es schon 12.
„A short story with a moral lesson is stronger than a big book without one!“
Es ruckelt kurz und schon heben wir ab. Wir lassen des Stress des Packens, des Wartens, des Verabschiedens, Vereinbarens, des Impfens, des langatmigen Medizinkaufens (was überwiegend sinnlos war, wie sich hier raus stellt) und jeglichen anderen Stress hinter uns und heben ab in die unbekannte aber doch spürbare Ferne.
Veröffentlicht von tom am 7. November 2009 in Komenda
Man kennt es. Das Gefühl, dass man am liebsten alles was man erlebt festhalten würde. Dieses dringende Bedürfnis hatte ich die ersten Tag die ich hier war bis ich nach vier Tagen gemerkt habe, dass es nicht klappt bzw. ich nicht die Zeit habe jeden Tag alles auf zu schreiben. Trotzdem habe ich in den ersten Tagen eine Menge geschrieben, die ich euch nicht vorbehalten will.
PS: Um den Blog textlich nicht zu überfüllen habe ich den Bericht über die ersten vier Tage als PDF zum Download bereit gestellt. Der Text ist für alle „Lesefaulen“ auch mit vielen Bildern gefüllt! Nur anklicken, downloaden und dann auch direkt schon los lesen. Jetzt erstmal viel Spaß und
AKWAABA! – Welcome to Ghana!
…noch was generelles für den Blog. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
NEWS: Ich verzweifel gerade an der langsamen Verbindung. Wenn sie noch ein kleines bisschen langsamer wird, läuft sie rückwärts.
Das PDF kann ich deshalb gerade nicht uploaden – für den kleinen Text habe ich schon 2 Stunden gebraucht.
Ich lade es hoch sobald ich die Richtige Verbindung habe. Noch ein klein bisschen Geduld.
Veröffentlicht von tom am 7. November 2009 in Komenda
Ich habe lange überlegt mit welchem Wort ich meinen Ghana-Blog beginnen soll – ich denke Reizüberflutung trifft die momentane Situation definitiv am besten. Ich wusste lange wirklich nicht wie und vor allem wo ich anfangen soll, denn es passiert hier jeden Tag so viel, dass es unmöglich ist alles fest zu halten. Trotzdem ist dieser Blog ein versuch euch einen Einblick in meine Welt zu verschaffen, die ich gerade selber neu erkunde. Bevor ich beginne will ich noch einmal allen ganz herzlich danken, die sich für meine Arbeit, meine Organisation (aim-ev.org) und Ghana interessiert und mein Projekt und AIM. unterstützt. Danke!
Euer Tom
“Das alte Afrika ist gestorben, das Neue noch nicht geboren.
Ein Kontinent zerrissen zwischen Tradition und Moderne.”
Veröffentlicht von tom am 28. Oktober 2009 in Komenda
Ich lebe! Etwas verschollen aber ich lebe! Und dazu geht es mir noch sehr gut! Ich bin gut angekommen, habe mich eingelebt, erfolgreich mit den ersten Projekten begonnen UND angefangen Ghana zu lieben!
Aber davon werdet ihr bald mehr erfahren, denn im Laufe der nächsten Woche werden die ersten Einträge online gehen. Es ist ja nicht so, dass ich hier einen Monat den Blog vernachlässigt hätte. Ich kam nur nicht zum Uploaden. Leider gab es den ersten Monat, den ich hier bin, so gut wie kein Internet. Tägliche Stromausfälle, extrem langsame Verbindungen und der weite Weg zum Internet waren in erster Linie der Grund für den verspäteten Start(2think) des Blogs. Ein Sorry dafür.
Es ist schwer einen Anfang zu finden, da wir in dieser kurzen Zeit schon so viel erlebt haben und ich am liebsten gleich damit anfangen würde. Nun mal von vorne. Meine Idee war es, für die Jugendlichen vom AIM. Youth Club einen Filmworkshop anzubieten. Filmemachen – und das in Afrika? Diese Frage kam das ein oder andere mal als ich noch in Deutschland war. Wenn man aber überlegt, dass Nigeria (Nollywood) nach Hollywood und Bollywood die drittgrößte Filmproduktion der Welt ist , ist der Gedanke gar nicht mehr so falsch. Film und Fernsehen ist schwer im Kommen.
Das heißt gleichzeitig neue Perspektiven, neue Berufsgruppen, neue Chancen. Ich finde es wichtig, dass die Jugendlichen auch lernen, dass es durchdachtes, lehrreiches und nachhaltiges Filmemachen gibt, da die Gefahr des Abkopierens des westlichen „TV-Mülls” (Talkshows, billige Soaps und Werbung) groß ist. Mittlerweile hat es sich rumgesprochen und die Nachfrage und das Interesse der Jugendlichen steigt. Parallel plane ich, ein Open-Air-Cinema aufzubauen, um die Filme die im Workshop entstehen, den Einheimischen zu zeigen und darüber hinaus mit einem „guten” Filmprogramm die afrikanische Kultur zu fördern.